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Von der Bekenntnisschule zum Offenen Ganztag

Kierberger Melanchthonschule feiert 50-jähriges Jubiläum

von Harald Zeyen - Brühler-Schloss-Bote vom 13.10.2010 / Quelle: BSB-Online

 



Brühl-Kierberg (huz). Mit einem bunten Festprogramm hat die nach dem großen deutschen Pädagogen Philipp Melanchton benannte Kierberger Gemeinschaftsgrundschule ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert.


Schuldezernent Andreas Brandt betonte, dass die Schule in den vergangenen Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Brühler Schullandschaft geworden sei und zum Schuljahr 2007/08 zur Offenen Ganztagsschule wurde, an der zurzeit 155 Kinder von zehn Lehrkräften unterrichtet werden.
Die Schüler sangen und spielten, luden zu einem gemeinsamen Konzert ein, präsentierten ihre Arbeiten aus der Projektwoche und ließen Hunderte von bunten Luftballons in den blauen Himmel steigen.

Rektorin Karin Hansch freute sich den zahlreichen Gästen eine wieder erstarkte Lehranstalt präsentieren zu können. Nach ihrem Amtsantritt im Jahre 2004 war es ihr durch der von ihr ins Leben gerufene Aktion "Gemeinsam Ganz Stark" gelungen, vorher zerstrittene Gremien zusammenzuführen, durch die Einfriedung des Schulgrundstücks dem früheren Vandalismus, Drogenkonsum und Einbruchsschäden Einhalt zu gebieten und der Schule ein einheitliches Gesicht zu geben.
Die Anfänge der Schule reichen ins Jahr 1955 zurück, als der Rat auf einen Elternantrag hin beschloss, eine evangelische Bekenntnisschule in Kierberg zu errichten.

 

Die Historie der Melanchthonschule zu Kierberg:

Die Geschichte der MS geht bis in das Jahr 1955 zurück. In jenem Jahr beantragten 83 Vochemer Eltern die Errichtung einer evangelischen Schule für ihre Kinder. Der Rat der Stadt Brühl beschoß, daß ab Ostern 1956 eine evangelische Bekenntnisschule in Vochem eingerichtet werden solle. In einem Anhörungsverfahren befürworteten die evangelische Kirchengemeinde und die Lehrer den Vorschlag, daß die drei Vororte Vochem, Kierberg und Heide einen Schulbezirk bilden sollten.
Es sei geboten, zentral, etwa in der Nähe des Kierberger Bahnhofs, ein eigenes Schulgebäude dafür zu schaffen. Diesen Standpunkt machte sich der Rat zu eigen. Dies sei für die kommenden beiden Schuljahre nicht zu realisieren, aber als mittelfristiges Ziel solle dies im Auge behalten werden. Deshalb begann man Ostern 1956 provisorisch mit drei Klassenräumen in der alten Vochemer Schule.
Im 1910 erbauten Vochemer Schulhaus wurden drei Klassenräume hergerichtet. Mit 94 Schülerinnen und Schülern begann der Schulbetrieb am 12.4.1956. Die alte Vochemer Schule stand genau an der Stelle, an der heute der Vochemer Pfarrsaal steht. Daß der Schulraum nicht ausreichen würde, war den Verantwortlichen klar, denn Vochem war ein schnell wachsender Vorort. So wurden im Mai '56 allein im Bereich untere Hauptstraße 64 Wohnungen bezugsfertig. Die Kriegswirren und die von ihnen ausgelöste innerdeutsche Völkerwanderung waren die eigentliche Ursache für das Anwachsen des evangelischen Bevölkerungsteils. Millionen Ostdeutscher, die sich größtenteils zur evangelischen Lehre bekannten, siedelten sich im Westen an. So ist erklärlich, warum aus dem rein katholischen Ort Vochem ein - mit Verlaub - religiöses Mischgebiet wurde.
In den nächsten Jahren wuchs die Schülerzahl der evangelischen Schule Vochem. Deshalb sah man zu, daß der geplante Schulneubau in Kierberg realisiert wurde. 1958 schrieb die Stadt Brühl einen Architektenwettbewerb aus, und im Oktober desselben Jahres wurde das Architekturbüro Sapia-Fabian mit dem 1. Preis geehrt und gleichzeitig beauftragt, den Bau hier an der Kaiserstraße auszuführen.
Im Verlauf des Jahres 1959 wurde mit Bau begonnen. Mit einem halben Jahr Fristüberschreitung war im Oktober 1960 die neue Schule endlich fertig. Am 23.10.1960 zog man in die neue Schule an der Kaiserstraße ein. Kurz zuvor hatte der Rat der Stadt Brühl der evangelischen Schule einen neuen Namen gegeben: Melanchthon-Schule Brühl- Kierberg.
Am 23.1.1961 wurde die Melanchthon-Schule festlich eingeweiht. Die KR schreibt in ihrer Ausgabe vom 24.1.1961: "In Anwesenheit vieler Ehrengäste, unter anderem Kreisschulrat Merz, Stadtdirektor Horrichs, Beigeordneter Effertz, Oberbaurat Baedorf, Architekt Sapia sowie der Geistlichkeit und der Lehrerschaft aus ganz Brühl, übergab Bürgermeister Hürten am Montagvormittag in symbolischer Geste dem Schulleiter
Willi Prasuhn die Schulschlüssel."
Bereits am 13.4.1961, am ersten Schultag des neuen Schuljahres, betrug die Gesamtschülerzahl 302 Kinder. Man soll es nicht glauben: Die Schule war bereits zu klein. Es gab nur sieben Klassenräume, Bedarf bestand jedoch für acht Räume.
Erst am 8.1.1965 konnte der Neubau, welcher unmittelbar an der Kaiserstraße liegt und in dem in den letzten Schuljahren die beiden ersten Schuljahre untergebracht waren und es auch heute sind, bezogen werden. Bis dahin war Schichtunterricht unumgänglich. Das Schuljahr 1966 begann am 20.4 und endete am 30.11.
Es war ein sogenanntes Kurzschuljahr. Das zweite Kurzschuljahr begann am 5.12.1966 und endete am 26.7.1967. Damit war die Umstellung auf den Schuljahreswechsel im Sommer vollzogen.
Interessant ist die Schülerzahl jener Zeit. Am 5.12.1966 gab es folgende Klassenstärken: Klasse 1 = 36 Kinder, 2a = 35, 2b = 38, 3 = 52, 4a = 33, 4b = 36, 5 = 46, 6 = 23, 7 = 36; 8 = 28, 9 = 31.
Eine gewaltige Zäsur ist am 16.6.1967 zu verzeichnen. Die Schulpflegschaft der Melanchthon-Schule votierte einstimmig für eine Umwandlung der evangelischen Schule in eine Gemeinschaftsschule. Einen weiteren strukturellen Einschnitt erlebte die Schule im Jahre 1968. Es war die Zeit der großen Schulreform in NRW. Die Volksschulen wurden abgeschafft. Von da an gab es die Grundsschulen als Eingangsschulen für alle Kinder.
Auf dem Fundament der Grundschulen erhob sich das dreigliedrige Sekundarschulwesen. Aus diesem Umwandlungsprozeß ging die Melanchthon-Schule als Gemeinschaftsgrundschule hervor. Dies ist sie bis zum heutigen Tag geblieben. Eine Rektorin, ein Konrektor sowie acht Kolleginnen und Kollegen unterrichten 213 Kinder. Weit über 100 Kinder davon bekennen sich zum Katholizismus, 60 evangelische Kinder besuchen die Schule und 30 Kinder sind Moslems.
Hier schließt sich der Kreis zu Philipp Melanchthon. Obwohl einer Lehre verpflichtet, war er ein weltoffener und toleranter Mensch, ein Lehrer, der alle Menschen bilden wollte. Dieser Praeceptor Germaniae ist ein Vorbild, wahrlich ein großer Deutscher.

 

Foto: Harald Zeyen
Die Melanchthon-Kinder tragen stolz die roten T-Shirts mit dem Logo ihrer Schule.
 
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